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Qualität des Produktes “Klinikum Schaumburg”

Wenn man über Qualität spricht, stellt sich zunächst die Frage, was Qualität im Zusammenhang mit dem Klinikum Schaumburg überhaupt bedeutet.

Der Begriff Qualität hat zwei Bedeutungen:

a) neutral: die Summe aller Eigenschaften eines Objektes, Systems oder Prozesses
b) bewertet: die Güte aller Eigenschaften eines Objektes, Systems oder Prozesses

In beiden Beschreibungen fällt  zunächst einmal auf, dass man von “allen Eigenschaften” des Objektes spricht.
Welche Eigenschaften sind nun für den Kunden (die Bürger) von entscheidender Bedeutung? Wir wollen hier den Versuch unternehmen, etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen. Die nachfolgende Aufzählung der Qualitätskriterien kann erweitert werden, bringen Sie Ihre Vorschläge mit ein und senden Sie uns Ihre Vorschläge per E-Mail.

1. Kostendruck im Gesundheitswesen – Sparzwang und Rationalisierung = Das Hauptkriterium für den Neubau, also ganz vorne.

2. Allgemein angespannte Finanzlage (Bund, Länder, Kreise und Kommunen)

3. Gute Erreichbarkeit, Infrastruktur, für alle Schaumburger

4. Raumordnung / Stadtentwicklung.
Bei Großprojekten wie diesem, sollte großes Augenmerk auf die Raumordnung gerichtet werden. Raumordnungsprogramme sind nicht zuletzt auf Druck der Bürger entstanden, um dem Wildwuchs von Investoren und bauwilligen Bürgern etwas Einhalt zu gebieten.

5. Überschwemmungsgebiet der Aue
Die natürlichen Retentionsräume an Fließgewässern sollen erhalten bleiben. Eingriffe in natürliche Überschwemmungsgebiete sollten deshalb möglichst unterbunden werden. Insbesondere Bauvorhaben die zu einer großen Flächenversiegelung führen, sollten besser nicht in der direkten Umgebung von Überschwemmungsgebieten umgestezt werden.

Und nun kommen wir zur zweiten Bedeutung des Begriffes Qualität und zwar die Bewertung des Produktes. Wir nehmen jetzt einfach mal an, das Klinikum wurde in die Feldmark gebaut und im Jahr 2016 beurteilen wir das Ergebnis.

zu Punkt 1:
Das neue Klinikum ist zwar in Betrieb gegangen, jedoch bereits nach nur zwei Jahren an den Landkreis Schaumburg zurückgefallen. Der Betreiber pro Diako ist nicht mehr zahlungsfähig und da der Landkreis den Versorgungsauftrag erfüllen muss steht man nun vor der Wahl das Klinikum wieder selbst zu betreiben oder in die Hände eines neuen Investors zu geben. Als Gesamtergebnis muss man leider sagen, steht der Landkreis noch schlechter da als im Jahr 2008, in dem die Entscheidung zur Zusammenarbeit mit pro Diako gefallen ist.

zu Punkt 2:
Erst während der Bauphase in den Jahren 2012 bis 2014 wurde bekannt, welche enormen Kosten die Erschließung des Standortes in der Vehler Feldmark mit sich bringt. Anfragen zu dem Thema wurden während der Planungsphase nicht beantwortet.  Nun ist aber klar, dass für die Erschließung ein zweistelliger Millionenbetrag benötigt wird. Auf Grund der hydrologischen Verhältnisse ist eine aufwändige, dauerhafte Entwässerung des gesamten Bereiches um das Klinikum erforderlich geworden. Pumpen zur Senkung des Grundwasserstandes müssen ganzjährig laufen. Insbesondere die Straßenanbindung ist viel teurer ausgefallen als bekannt. Ein Grund dafür sind die aufwändigen Brückenbauten. Aber insgesamt ist es die Summe vieler Details, die zu dieser Kostensteigerung führte.

zu Punkt 3:
Das Klinikum ist nach wie vor unzureichend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Aktuelle Auswertungen haben ergeben, dass die Bürger aus dem nördlichen Schaumburg in Richtung der Kliniken im hannoverschen Land abgewandert sind. Nur sehr wenig Patienten kommen aus dem Raum Bad Nenndorf oder Rodenberg zur Behandlung in das Klinikum Schaumburg. Auch die Zahl der Patienten aus Rinteln bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die Rintelner Bürger hatten sich bereits ab 2010 weitestgehend neu orientiert und bevorzugen die Kliniken in Hameln oder Minden. Der Großteil der Patienten stammt aus Bückeburg, Obernkirchen, Stadthagen und den ländlichen Bereichen um diese Städte. Insbesondere in Stadthagen ist der Unmut unter den Bürgern sehr groß. Die meisten Patienten kommen aus Stadthagen und Umgebung und sind enttäuscht darüber, dass “ihr” Klinikum Stadthagen nach wie vor leer steht.

zu Punkt 4:
Die Befürchtungen vieler Bürger  haben sich bewahrheitet. In den Dörfern hat der Verkehr zugenommen und von dörflicher Ruhe ist insbesondere in Ahnsen keine Rede mehr. Während der Bereich um das Klinikum in der Vergangenheit als Naherholungsgebiet für Radler, Spaziergänger und Reiter genutzt wurde meiden viele heute den Bereich. Durch die Zerschneidung des Gebietes mit der Erschließungsstraße ist es für Reiter nicht mehr möglich, ohne Gefahr nach Vehlen zu gelangen.

Als größter Irrtum erweist sich die Lage des Klinikums jedoch für die Stadt Obernkirchen. Im Jahr 2010 wurden von den Stadtvätern alle Mahnungen in den Wind geschlagen, einen Standort in direkter Stadtnähe zu ermöglichen. Dies muss die Stadt Obernkirchen jetzt teuer bezahlen. Man ist zwar für die Unterhaltung des gesamten Klinik Umfeldes zuständig, dies brachte einen neuen Arbeitsplatz im Bauhof mit sich. Ansonsten haben sich keine der Erwartungen erfüllt. Der Leerstand bei Obernkirchener Geschäften hat weiter zugenommen, die Innenstadt ist nahezu ausgeblutet. https://picasaweb.google.com/113701956715585760274/ChancenNichtGenutztObernkirchenPleite Demgegenüber haben die Väter der Gemeinde Ahnsen die Gunst der Stunde genutzt und ein neues Gewerbegebiet am Ortsrand ausgewiesen. Patienten und Besucher des Klinikums nutzen von Beginn an die Nähe zur Bückeburger Kreuzbreite für einen Abstecher in die ehemalige Residenzstadt. Ahnsen möchte die gute Lage nutzen, um auch vom Klinikum zu profitieren.

zu Punkt 5:
Trotz aller wohlwollenden hydrologischen Gutachten aus der Planungsphase des Klinikums trat nach einem für unsere Region ungewöhnlich starken Regenfall (90 mm  in 6 Std) Ende Mai 2014 die Aue im Grenzbereich des Klinikums derart über die Ufer, dass die Außenanlagen der Gesundheitseinrichtung  fast vollständig überschwemmt wurden. Obwohl alle verfügbaren Kräfte eingesetzt wurden um die teilweise bis zu 10 cm hohe Schlammschicht von dem Gelände zu entfernen, gelang es den Einsatzkräften nicht, bis zu dem Termin der nun bereits zum x-ten. Male wegen Bauausführungsmängeln verschobenen Einweihungsfeierlichkeiten des Klinikums, die Anlage wieder ordnungsgemäß herzustellen, so dass an einen  reibungslosen Ablauf des Festprogrammes nicht mehr zu denken war. Anzumerken sei noch: Das in der an dem Einweihungstag, von einem Vertreter des aus bisher ungeklärten Gründen nicht erschienen Landrats, gehaltenen Festansprache, besonders lobend die großzügige Spende eines namhaften deutschen Gummistiefelherstellers erwähnt wurde.

Resümee:

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…
Qualität entsteht nur durch eine gut durchdachte Planung bei Berücksichtigung  aller Eigenschaften eines Objektes.
Nur so hätte erreicht werden können, was man ursprünglich plante: Modellcharakter!
Das alles wurde bei der Planung des Klinikums Schaumburg in Vehlen versäumt.
Heute im Jahr 2016 muss der Landkreis die Fehler dieser mangelhaften Planung teuer bezahlen.

Das alles ist natürlich reine Fiktion. Noch haben wir die Möglichkeit es besser zu machen. Wir sollten die Gelegenheit nutzen zum Wohle der Schaumburger Bürger, der Steuerzahler und der nachfolgenden Generationen.

Zu modernen Planungsmethoden gehört auch die Bereitschaft, eine bestehende Planung zu verwerfen und nochmal neu zu beginnen. Gerade wenn sich abzeichnet, dass Projekte fehlerhaft sind und die Kosten nicht vorhersehbar steigen können, ist das der bessere Weg. Im Nachhinein können durch diese Vorgehensweise Kosten gespart werden und die Qualität gesteigert werden.

http://www.olev.de/0/10er-regl.htm

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